Heimatverein Rheinbreitbach e.V.Das Blutkreuz in Rheinbreitbach

Von Jakob Faber
(Heimatkalender Kreis Neuwied, 1940)

Die oberste Mühle der Grafen von Rheinbreitbach war an die Gewerkschaft des Marienberger Kupferbergwerkes verpachtet worden und wurde als Kupferschmelzhütte eingerichtet und benutzt; heute sind die Gebäude verschwunden, und der Name Schmelz erinnert an die früheren Zeiten.

In der Schmelzhütte wohnte ehedem der Fahrsteiger Hieronymus Bermel, der auch die Arbeiter zu löhnen hatte. Er war verheiratet und hatte ein Kind, ein Mädchen von etwa acht Jahren, das den Eltern viel Freude machte.

Das BlutkreuzEines Sonntags nun ging der Steiger mit seiner Frau nach Breitbach zur Frühmesse, und das kleine Lenchen ließen sie allein zu Hause. Nach der Messe machten sich die Eltern wieder auf den Heimweg, und mehrere Arbeiter begleiteten sie, um ihren Lohn in Empfang zu nehmen.

Wie sie nun an die Ecke kamen, wo der Weg nach dem Virneberg abzweigt, sahen sie Kleinlenchen daliegen in seinem Blute, mit durchschnittenem Halse, tot. Groß war ihr Leid, in dem auch die Beteiligung des ganzen Dorfes an der Beerdigung sie nicht zu trösten vermochte.

Der Vater hatte ein kleines Fläschchen mit dem Blute des ermordeten Kindes gefüllt, ließ an der Stelle, wo sie das Kind tot gefunden hatten, ein kleines Steinkreuz errichten, das eine Nische hatte, und stellte das Fläschchen da hinein. Blutkreuz heißt das Kreuz, das man vor mehreren Jahren verschüttet auffand und wieder aufrichtete, bis auf den heutigen Tag.

Den Raubmörder, einen zugezogenen Bergmann aus Kroatien, Hebolin mit Namen, hat man später im Bergischen entdeckt und aufgegriffen. Es wurde ihm der Prozeß gemacht, und am Galgen, dort unten am Rhein, mußte er seine Freveltat büßen.


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