Noch ein anderer Flurname in Rheinbreitbachs Gemarkung weiß uns eine Sage zu berichten . "Juffer Piele" nennt man es dort unten am Wege , der zur Honnef-Rolandsecker Fähre führt. Warum, erzählt uns die Sage.
Zur Zeit, da die Hexenprozesse von Frankreich aus in Deutschland Eingang gefunden hatten, lebte in Rheinbreitbach eine alte Jungfrau, Juffer Piele genannt. ,Sie hauste für sich und kümmerte sich um niemanden. Dies und ihr finsteres Aussehen genügten, sie der Hexerei zu verdächtigen.
Im Bunde mit dem Teufel sollte sie allerlei Zauberei verübt haben. Der Nachbarin war das Kind gestorben, in einem andren Hause verendete das Schwein, hier gab die Kuh keine Milch, dort legten die Hühner keine Eier mehr, Hagel und Mißwuchs stellten sich ein auf den Feldern.
Alles dies konnte nur die alte Juffer verschuldet haben, die man nun offen
der Hexerei beschuldigte und vor Gericht brachte. Doch sie hatte nichts einzugestehen, und
den vielen Anklagen gegenüber blieb sie stumm. Daumenschraube und spanischer Stiefel
preßten ihr das Blut aus den Nägeln. Mit glühenden Zangen wurde sie gefoltert, und in
den furchtbaren Qualen gestand sie alles Mögliche und Undenkbare, was sie nachher
widerrief.
Die Vornahme der Hexenprobe sollte nun die Entscheidung geben. An Händen und Füßen gebunden wurde sie in den Burgweiher geworfen. Und siehe da! Sie ging nicht unter. Das war Teufelswerk und sicherster Schuldbeweis der Hexerei. So wurde sie denn zum Tode verurteilt. Auf dem Galgenplatz dort unten am Rhein sollte sie verbrannt werden. Man fesselte die Hexe und fuhr sie mit dem Armesünderkarren hinweg, unter dem Hohngelächter der Nachbarn, die sich schon hermachten über ihr Hab und Gut.
Doch unterwegs, es war noch nicht am Rhein, merkte der Henker plötzlich, daß die Hexe verschwunden war. Unbegreiflich! Gab das einen Auflauf. Man suchte und suchte, umsonst, sie war nicht mehr zu finden, spukte aber seitdem allnächtlich in der Gegend umher.
Lange getrauten sich ihre Ankläger zur Nachtzeit nicht mehr hinaus, und selbst handfeste Männer griffen fester nach ihrem Stock und beflügelten ihre Schritte, wenn sie jene Flur im Dunkel durchschreiten mußten.
(Der Rheinbreitbacher Galgenplatz war am Rhein, in jenem Viereck, das an der Nordwestecke aus unserer Gemarkung herausgeschnitten ist, zwischen Lohfelder Straße, dem Bach und dem Rhein liegt und heute zu Honnef gehört. Man nennt es dort im Klobbenort, woran ebenfalls sagenhafte und geschichtliche Erinnerungen geknüpft sind.)